| Eine nicht alltägliche Geschichte |
Begonnen hat alles vor dreieinhalb Jahren.
Durch einen privaten Kontakt zur sozialtherapeutischen Abteilung
der JVA Dresden (Sotha) hatten wir als Förderverein der Chemnitzer
Kunstfabrik die Möglichkeit, zur Aufführung eines Schattenspiels in die
JVA zu fahren. Es war sehr beeindruckend und wir konnten danach mit
den inhaftierten Frauen und dem Personal längere Gespräche führen, in
dessen Folge wir beschlossen, die Verbindung aufrecht zu erhalten.
Während mehrerer Besuche, sowohl in der Kunstfabrik als auch in der
JVA, entwickelte sich bald eine Zusammenarbeit auf hohem Niveau, in
deren Mittelpunkt die Ehrlichkeit stand. Erstaunlicherweise gab es auf
beiden Seiten keine Berührungsängste.
Immer war im Vordergrund, den schon jahrelang inhaftierten Frauen
die Hoffnung zu geben, dass wir sie nicht auf ihre Straftat reduzieren,
sondern auch den Menschen dahinter sehen. Das schaffte trotz der Haft
ein Stück Normalität, die dankbar angenommen wurde.
Viele Projekte wurden entwickelt und durchgeführt mit dem Bemühen,
die Arbeit der Sotha zu unterstützen in dem man Theorie durch Praxis
untermauert und damit die Möglichkeit gibt, Misstrauen abzubauen,
Enttäuschungen zu verkraften, das Selbstwertgefühl zu stärken und sich
ein neues, zuverlässiges soziales Umfeld zu schaffen, um keine Angst
mehr vor dem Leben zu haben.
Alle haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter der Kunstfabrik brachten
sich ein und der Förderverein finanzierte die Aktivitäten, wenn es für die
Inhaftierten zu kostspielig war.
Zu Frauen die bereits aus der Haft entlassen wurden oder die Therapie
beendet haben, halten wir weiter brieflichen Kontakt, unterstützen sie
beim Einrichten der Wohnung, vermitteln einen Arbeitsplatz, um sie in
den Alltag zu integrieren und sind immer ansprechbar. Sie kommen uns
auch weiterhin gern zu Veranstaltungen besuchen.
Ganz begeistert waren wir von der Unterstützung, die uns bei allen
Unternehmungen zuteil wurde. Unbürokratische Hilfe kam von der
Leitung der JVA und auch das Staatsministerium der Justiz gab grünes
Licht.
Es ist uns ein Anliegen die Verbindung nicht abreißen zu lassen, von der
wir gleichermaßen lernen und profitieren, denn es ist wichtig nicht nur
von Integration zu sprechen, sondern sie auch zu leben!
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